Einblick in die Kirchengeschichte Heidelbergs

von | Okt 6, 2018 | Gemeinschaftstag

Heidelberg ist nicht nur für seine Sehenswürdigkeiten bekannt, sondern auch für seine Kirchengeschichte. Die weltweit bedeutendsten 129 Fragen und Antworten zum christlichen Glauben – der sogenannte Heidelberger Katechismus – kommen aus Heidelberg.
Was ist der Unterschied zwischen dem Abendmahl des Herrn und der päpstlichen Messe? Das ist die 80. von 129 Fragen aus dem Heidelberger Katechismus. Dieser ist der am weitesten verbreitete Katechismus der reformierten Kirche. Was aber Bitteschön ist ein Katechismus? Vereinfacht gesagt ist es ein Handbuch zu den Grundfragen des christlichen Glaubens. Die 129 Fragen und Antworten enthalten Bekenntnisse und Trostworte und dienen auch als Gebetsbuch. Das bedeutendste Handbuch der reformierten Christen erschien in Heidelberg im Jahr 1563. Inzwischen nutzen den Heidelberg Katechismus mehr als 20 Millionen Menschen in über 40 Sprachen. Mal zustimmend und mal kritisch. Zumal dadurch nicht unbedingt eine Einheit zwischen den Konfessionen gefördert wurde.Dies ist nur eine von vielen spannenden und bedeutenden Geschichtsereignissen in Heidelberg. Am Samstag, den 06.10.2018 haben wir bei der Stadtführung durch Heidelberg einen Einblick in dessen Geschichte und Kirchengeschichte bekommen.

Zwei Stationen möchte ich in diesem Blog erwähnen, die ich besonders spannend fand.
Den Anfang machten wir auf dem Universitätsplatz. Unter den Pflastersteinen des Platzes liegen die Grundmauern eines Klosters. Das Kloster der Augustiner-Eremiten wurde besonders im Jahr 1518 durch den Ordensbruder und Professor für biblische Theologie Martin Luther bekannt. Er wurde nämlich beauftragt die Leitung für eine Disputation zu übernehmen. Martin Luther war bereits durch seine kritischen Ablassthesen bekannt und nun sollte er auch die Gelegenheit bekommen, seine Theologie vor einer gelehrten Öffentlichkeit darzustellen und zu verteidigen. Zu seinen Zuhörern zählten somit nicht nur die Augustiner-Mönche, die aus ganz Deutschland angereist sind, sondern auch Doktoren der theologischen Fakultät und die Magister der philosophischen Fakultät. Auch Studenten, Kleriker, Bürger, Höflinge und Adlige waren unter den Zuhörern.
Der Streit um die Heiliggeistkirche ist ein weiteres Ereignis, welches nennenswert ist. Ab dem Jahr 1706 bis 1719 trennte eine Mauer den Chor vom Schiff der Kirche. Die Zweiteilung der Kirche diente dazu, dass die Katholiken in einem Teil ihren Gottesdienst abhalten konnten und die Reformierten im anderem Teil. Im Jahr 1719 wurde auf Befehl des Kurfürsten Karl Philipp die Scheidewand eingerissen und den Reformierten gewaltsam das Schiff des Kirche genommen. Nun war das ganze Gebäude im Besitz der Katholiken. Bereits ein Jahr später ordnete der selbe Kurfürst, den Reformierten das Schiff der Heiliggeistkirche wieder zurückzugeben. Zügig wurde dann auch die Scheidewand wieder aufgerichtet. Erst im Jahr 1936 wurde die Mauer endgültig beseitigt.
Nicht nur die Prägung des Stadtbildes durch die Kirchengebäude wird deutlich, sondern auch der Einfluss des christlichen Glaubens in der Öffentlichkeit. Die früheren Konfessionskämpfe haben lange Zeit dazu beigetragen, dass Menschen einander verachtet und bekämpft haben. Sollten wir deshalb heute nicht vielmehr darauf schauen, was uns eint und nicht was uns trennt?